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Unfall im Kölner Dom: Petersglocke ohne Klöppel
Lieber Leser, die nachfolgende technische Abhandlung setzt ein Minimum an Wissen in der Glockentechnik vorraus. Dieses erhalten sie in den Kapiteln “Läutetechnik” und “Der Klöppel” des
“Fachbuches der Glockentechnik”. Die wichtigsten Fachbergriffe sind einmalig gelb gekennnzeichnet, deren
Erklärung sie in den Kapiteln finden.
Der Klöppel der Petersglocke hängt in einer Sonderanfertigung mit einem Kugelager. Klöppelblatt und Lagerfassung sind
hierbei direkt ohne eine dämpfende Schicht dazwischen miteinander verbunden. Genau an dieser Stelle ist auch der Bruch geschehen. Man kann sich das so im weitesten Sinne so vorstellen, als wenn man ein Stück Draht fest
in der linken Hand hält und mit der rechten Hand den Draht immer hin und her biegt. Nach einer gewissen Zeit bricht der Draht an der Biegestelle durch. Beim Klöppel der Petersglocke ist genau dieser Effekt eingetreten. Jetzt stellt sich die Frage, warum andere Glocken über hundert Jahre alte Klöppel teilweise haben, die noch nicht gebrochen sind. Das liegt daran, daß diese Klöppelaufhängungen mit Leder gefüttert sind, welches dafür sorgt, daß beim Anschlag entstehende “Knickkräfte”, durch das weiche Leder auf die große Fläche des Klöppelblattes verteilt werden. Ebenso werden auch die hochfrequenten Schwingungen, die beim Anschlag des Klöppels an die Glocke im Klöppel selber entstehen, besser absorbiert und nicht als Resonanzfrequenzen in den Glockenmantel übertragen.
Der Unfallgefahr hätte vermindert werden können, wenn man in die Klöppelaufhängung zwei Kautschukplatten, ca 10 mm stark, zwischen Klöppelblatt und Klöppellasche eingesetzt hätte. Die sorgen dafür, daß der Klöppel, ähnlich wie bei einem Lederfutter, in der Fassung sich etwas bewegen kann. Damit verteilen sich die Knickkräfte auf eine größere Fläche, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Bruches minimiert wird , Stichwort Sollbruchstelle. Bei einer kleinen Friedhofsglocke oder Dorfglocke hingegen, wo der Klöppel bis 10 kg wiegt, kann auf Leder verzichtet werden, sofern der Klöppel in sauber angepassten Laufbuchse aus Rotguß Typ “RG7” liegt.
Ein weiteres Manko an übrigens fast allen Klöppeln der Kölner Domglocken ist die Klöppelform, die in den Nachkriegsjahren vom so genannten Bochumer Verein hergestellt wurde. Mit diesen Klöppeln wurden Stahlglocken angeschlagen, die der Bochumer Verein damals produzierte. Um aber Stahl zum klingen zu bringen, sind größere Klöppelgewichte erforderlich, die für Bronze etwas zu schwer sind. Die Petersglocke hat einen solchen zu schweren Klöppel nicht
vertragen und ist darum gesprungen in den 50er Jahren. Des weiteren werden die Glocken mit Bronzeanschlagbacken angeschlagen. Bei Stahlglocken üblich, bei Bronzeglocken aber entbehrlich, sofern die HB des Klöppels bei 120-150 liegt. Das ist aber bei den alten BGV Klöppeln nicht der Fall. Die Glocken des Kölner Domes würden wesentlich besser klingen, wenn man gescheite
Klöppelformen einsetzen und auf die Anschlagbacken verzichten würde. Wenn man die Anschlagbacken beibehält, wodurch die Glocken leiser klingen, sollten aber zumindest die Anschlagbacken regelmäßig rund geschliffen werden,
damit die Anschlagfläche am Klöppel klein bleibt. Ansonsten sorgen große Flächen beim Anschlag auch für große Adhäsionskräfte, womit der Klöppel länger an dem Glockenschlagring kleben bleibt und somit Klang verloren geht. Das nicht nachgeschliffen wurde, was an dem Klöppel der Petersglocke genau zu sehen ist ( Bild unten ), hat die Wartungsfirma zu verantworten.
Auf dem Bild ist auch weiter zu erkennen, daß der Klöppel die Petersglocke zu tief angeschlagen hat. Das ist ein Montagefehler aus den 50er Jahren, worum sich keiner gekümmert hat, weder die hohen Herren Sachverständigen
noch die Wartungsfirmen der letzten 50 Jahre. Damit wird die Glocke klanglich entstellt und kann schlimmstenfalls wieder springen. Ein Fazit:
Die Petersglocke wurde schlampig gewartet, was das Bild vom Klöppel belegt.
Der Klöppel wäre schon in den 50 er Jahren gebrochen, wenn die Glocke einen täglichen Einsatz gehabt hätte. Weil aber
die Glocke nur wenige Einsätze im Jahr hat, läßt sich dieser Unfall leicht mit Materialermüdung nach 50 Jahren entschuldigen. Wenn was geschieht, will keiner verantwortlich sein, wie immer.
Das nächste Opfer
von “gewissen Sachverständigen”, die sich am Klerus profilieren, wird die Maria Gloriosa im Erfurter Dom sein. Ein neuer, vollkommen falsch dimensionierter Klöppel und schlechte Motoren werden, in naher Zukunft, die Glocke wieder zum Schweigen bringen. Auch dort hängt der Klöppel 3 cm zu tief und schlägt falsch an. Ich halt mich aber da raus und bin glücklich mit der Restauration von kleinen Kapellenglocken.
Bernd Ludwig Müller-Lönnendung.
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